Blended Learning in der Benachteiligten-Förderung

Die Vermittlung von Medienkompetenz und die Nutzung digitaler Medien ist für die LAG Arbeit in Hessen ein wichtiger Baustein in der Qualifizierung sozial benachteiligter Jugendlicher und Langzeitarbeitsloser auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Deshalb fördern wir seit 2017 in Pilot-Projekten, Fachtagungen, Fortbildungen und Online-Formaten die digitalen Kompetenzen der Mitarbeiter:innen in der Arbeitsförderung und der Jugendberufshilfe in Hessen . Hier finden Sie eine Übersicht dieser Projekte.

LAG Arbeit in Hessen 2022– Start der Mediathek

Auf Basis des in der Vergangenheit durchgeführten Beratungsprojektes „Digitale Bildung in der Arbeitsförderung und der Jugendberufshilfe“ hat sich mehrheitlich ein Bedarf ergeben, einen neuen Lösungsweg für die Vernetzung der LAG Arbeit in Hessen anzugehen. Zusammen mit Antares Vega-Rubio und Stefan Aufenanger entstand so die Idee zur Erschaffung einer „Mediathek Digitale Bildung in der Benachteiligtenförderung“, welche die Fortbildung von Teilnehmer*innen in Projekten der Arbeitsförderung und der Jugendberufshilfe unterstützen soll.

Die Kombination aus der Beratung und Erstellung von Lernmodulen, welche für alle Mitgliedsorganisationen verfügbar sein werden, macht die Mediathek zu einem stark zukunftsorientierten Projekt. Ziel der LAG-Mediathek ist, Bildungsinhalte abzudecken, welche sich direkt auf unsere Arbeit mit Benachteiligten Zielgruppen beziehen und diese den LAG-Mitgliedern auf einer Plattform zur Verfügung zu stellen. Hierfür werden einerseits neue E-Learning-Module produziert. Die LAG-Mediathek wird darüber hinaus auch Raum schaffen, dass die Mitglieder eigene Lernmaterialien mit anderen Mitgliedern teilen können.

Die Basis für dieses große Vorhaben bildet die Umfrage, welche wir zusammen mit Prof. Dr. Stefan Aufenanger/ Universität Mainz von 04.02.2022 bis 18.02.2022 online durchgeführt haben. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse waren wegweisend für die Initiierung der Mediathek. So konnten wir verschiedene Bedarfe feststellen, welche sich vorrangig in diesen Bereichen ansiedeln:

  • Deutschförderung (25-mal aus 29 Teilnehmenden gewünscht)
  • Ausbildungsvorbereitung (24-mal aus 29 Teilnehmenden gewünscht)
  • TeilnehmerInnen-Schulungen (22-mal aus 29 Teilnehmenden gewünscht)

Nachdem diese grundlegende Feststellung abgeschlossen war, hat Frau Antares Vega-Rubio nun bereits erste Inhalte produziert. Hierfür war es den LAG-Mitgliedern möglich, in Kontakt mit ihr zu treten und Module anfertigen zu lassen, welche dann gesamtheitlich in der Mediathek allen Mitgliedern zur Verfügung stehen werden. 

Einerseits wollen wir Mitgliedern ermöglichen, Module zur Verwendung in das eigene Lernmittelsystem zu integrieren – und dabei eine Feststellung des individuellen Lernfortschrittes bei Teilnehmern zu verwirklichen. Andererseits werden wir den LAG-Mitgliedern alle Module direkt über den Browser zugänglich machen (weniger technische Hürden, dafür aber keine Lernfortschrittverfolgung).

Um nun einen effizienten Feedbackprozess für dieses Vorhaben zu erschaffen, planen wir die Einrichtung eines Arbeitskreises Mediathek, um alle Interessierten in die Entwicklung der Module einbeziehen zu können und dabei Frau Vega-Rubio direktes Feedback geben zu können. 

Die LAG-Mediathek wird in der zweiten Jahreshälfte 2022 online gehen. Den genauen Start-Termin werden wir rechtzeitig veröffentlichen.

Sind Sie Mitglied in der LAG Arbeit in Hessen und möchten am LAG-Arbeitskreis Mediathek mitwirken?  Dann schreiben Sie uns bitte eine Mail an akmediathek[at]lag-arbeit-hessen.de .

Haben Sie Fragen zur LAG-Mediathek? Wenden Sie sich gerne an Miriam Hedtmann und Finn Freund unter geschaeftsstelle[at]lag-arbeit-hessen.de .

BERATUNGSPROJEKT – Digitale Bildung in der Arbeitsförderung und der Jugendberufshilfe

Die beiden Berater:innen Prof. Dr. i.R. Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz, im Ruhestand, und Frau Antares Vega Rubio, Expertin für Mediendidaktik und digitale Bildung, beramí e.V. haben seit Oktober 2020 bei 29 gemeinnützigen Bildungsträgern in Hessen eine umfangreiche Beratung zur Entwicklung von zielgruppengerechten und gendersensiblen digitalen Bildungsangeboten durchgeführt. Hier finden Sie eine eine Beschreibung des Beratungsangebotes „Digitale Bildung in der Arbeitsförderung und der Jugendberufshilfe – zielgruppengerecht und gendersensibel.“

Hier finden Sie beispielhaft einige digitale Lernmaterialien, die im Rahmen der Fortbildungen erstellt wurden.

FORTBILDUNGEN – Digitale Bildung in der Arbeitsförderung und der Jugendberufshilfe

Wir bieten seit März 2020 zahlreiche Fortbildungen zum Einsatz digitaler Medien in der Qualifzierung Benachteiligter. Hier finden Sie eine Übersicht:

Weitere Fortbildung zum Thema Blended Learning in der Qualifizierung Benachteiligter sind in Planung.

Möchten Sie über unsere Fortbildungstermine aktuell informiert werden? Dann abonnieren Sie bitte unseren Newsletter. Das Formular finden Sie rechts.

Arbeitskreis „Einsatz digitaler Medien in der Qualifizierung Benachteiligter“ startete im Januar 2020

Im Januar 2020 fanden die ersten beiden Treffen des LAG-Arbeitskreises „Einsatz digitaler Medien in der Qualifizierung Benachteiligter“ mit insgesamt mehr als 40 Fach- und Führungskräften der hessischen Arbeitsförderung statt.
Haben Sie Interesse an diesem Arbeitskreis? Dann schreiben Sie bitte eine Mail an info@lag-arbeit-hessen.de .

Übersicht: Digitale Medien, die von LAG-Mitgliedern bei der Qualifizierung Benachteiligter eingesetzt werden

Fachtagung: „Mal was neues…Einsatz digitaler Medien in der Qualifizierung Benachteiligter

Im November 2019 veranstalte die Praxis gGmbH in Marburg gemeinsam mit der LAG Arbeit in Hessen die Fachtagung „Mal was neues…Einsatz digitaler Medien in der Qualifzierung Benachteiligter„. Vorträge und weitere Infos zur Fachtagung finden Sie hier

LAG-Pilotprojekt Blended Learning in der außerbetrieblichen Ausbildung 2017 -2019

Im September 2017 startete die LAG Arbeit in Hessen ihr Pilotprojekt Blended Learning in der außerbetrieblichen Ausbildung.

LAG-Vorstand im September 2017: „Es ist uns wichtig, Menschen mit multiplen Hemmnissen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt berufsrelevante Medienkompetenz zu vermitteln, so dass hier nicht ein weiteres Defizit entsteht“

Aus der vorangegangenen LAG-Fachtagung „Arbeitslos 4.0? – soziale Gerechtigkeit in der digitalisierten Arbeitswelt“ im Mai 2017 zog der Vorstand der LAG Arbeit den Schluss, dass die Nutzung digitaler Medien ein zukunftsweisendes Thema für die Qualifizierung benachteiligter Jugendlicher und Langzeitarbeitloser ist.

Ziel des Pilotprojektes war PädagogInnen und FachanleiterInnen dazu zu motivieren, digitale Medien im Unterricht für benachteiligte Jugendliche einzusetzen, deren Nutzen für den Lernerfolg der jungen Erwachsenen zu erproben und sich selbst in der didaktischen Einbindung digitaler Medien im Unterricht weiterzubilden.

Die LAG Arbeit in Hessen stellte ihren Mitgliedern Zugänge zur Lernplattform Prozubi kostenlos zur Verfügung, mit der sich Auszubildende digital auf die IHK-Abschlussprüfungen vorbereiten können. Im Jahr 2018 nahmen insgesamt 21 Mitglieder mit 56 Auszubildenden über 12 Monate daran teil. Im Jahr 2019 waren es weitere acht Mitglieder mit 19 Auszubildenden.

Hier finden Sie eine ausführliche Beschreibung des LAG-Pilotprojektes Blended Learning in außerbetrieblichen Ausbildung.

Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juni 2022

Im vorliegenden Bericht „Nachdenken über Arbeit“ fassen die Autor:innen Nele Keth, Professor Christian Kolbe und Freya Köster vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences die Analysen der vorangegangenen Berichte der Reihe Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen zusammen und setzten sich kritisch mit Definitionen der Begriffe Arbeit und Leistung auseinander.

Die Autor:innen nutzen, „basierend auf den Erkenntnissen der letzten Berichte, dem Wissen über die sich wandelnden Arbeitsverhältnisse und der Annahme, dass der Arbeitsbegriff, wie er vielfach gefüllt wird, für die Reproduktion von Geschlechterungleichheiten und Ausschließungsprozessen mit verantwortlich ist, die Gelegenheit […], in diesem Bericht anders über Arbeit zu denken oder über andere Arbeit nachzudenken. Inhaltlich bedeutet das, dass wir uns mit dem Begriff der Leistung und Fragen der Reproduktion von Arbeitskraft auseinandersetzen. Wir machen zum Thema, in welcher Wechselwirkung Arbeit und soziale Sicherung stehen, was es bedeuten würde, Arbeit von sozialer Sicherung zu entkoppeln. In einem weiteren Schritt beschäftigen wir uns mit der Diskussion um Care-Arbeit, also die vor allem weibliche bezahlte und unbezahlte Sorge-Arbeit. Dabei erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern skizzieren verschiedene Ansätze im Rahmen des Diskurses über das ‚anders über Arbeit Nachdenken‘. „

Der Bericht leistet einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über den Arbeitsbegriff. Hier finden Sie den aktuellen Bericht auf unserer Webseite, die vorangegangenen Ausgaben der Reihe Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen finden Sie hier.

Seit Beginn des Jahres 2021 veröffentlicht die LAG Arbeit in Hessen e.V.  in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences die neue Berichtsreihe „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen“

Autor:innen des Berichtes Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juni 2022

Nele Keth – Projektmitarbeiterin im ISR
Christian Kolbe – geschäftsführender Direktor des ISR
Freya Köster – Projektmitarbeiterin im ISR

Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen März 2022

Vor Corona sind nicht alle gleich: Entwicklung sozialer Ungleich auf dem Arbeitsmarkt

Der vorliegende Bericht Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen März 2022 fasst die Themenschwerpunkte des Herbstforum 2021 des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zusammen und reflektiert sie. Im Fokus stehen dabei starke Faktoren und Auswirkungen sozialer Ungleichheit und die Veränderungen innerhalb der Arbeitsmärkte und der Gesellschaft. Ein besonderes Augenmerk legt dieser Bericht auf folgende Themen: Junge Menschen, Bildungsungleichheit und die Ausbildungssituation in der Krise. Als wichtiges Ergebnisse aus Vorträgen und Diskussionen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler*innen kann vorweggenommen werden: „Die Pandemie macht bestehende soziale Ungleichheiten sichtbar und verstärkt sie.“

Wen trifft die Krise besonders hart? Welche Rolle spielen atypische Beschäftigungsformen, Solo-Selbständigkeit und Minijobs? Wie stellt sich die Geschlechterungleichheit dar?

Ergebnisse zu diesen Fragen wurden von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler:innen auf dem WSI-Herbstforum präsentiert und diskutiert und werden in dem Bericht knapp zusammengefasst.

Neben der Betrachtung der aktuellen Verhältnisse ist zudem für Praktiker:innen der Sozialen Arbeit interessant, welche Veränderungsvorschläge und Lösungsmöglichkeiten auf den unterschiedlichen Ebenen im Rahmen der Tagung vorgeschlagen wurden. Was ist notwendig, damit Solidarität und eine solidarische (Arbeits)Gesellschaft bestehen bleiben und wachsen können? Welche strukturellen Handlungsmöglichkeiten liegen in der Verantwortlichkeit des Sozialstaates? Müssen wir Arbeit neu denken?

Abschließend stellen die Autor:innen des Berichts Überlegungen dazu an, welche Rolle Soziale Arbeit im Zusammenhang mit der ausgerufenen Krise der Solidarität einnimmt und welche Handlungsoptionen sich für Soziale Arbeit eröffnen.

Ein Kernpunkt der Kritik der Tagung ist die Selektivität des wohlfahrtsstaatlichen Versprechens auf Teilhabe. Diese existierte strukturell auch vor der Krise und ist Bestandteil staatlicher Regulierung. Erst recht für Menschen in vulnerablen Situationen, die nur wenig soziale Teilhabe erhalten, wozu auch Menschen im Langzeitleistungsbezug gehören.

So beenden sie den Bericht mit der Aufforderung an die Praktiker:innen der Sozialen Arbeit die prekären Situationen von Benachteiligten in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und fordern sie dazu heraus, sich das politische Mandat selbst zu geben und nicht darauf zu warten, es zugewiesen zu bekommen.

Den ausführlichen Report „WSI – Herbstforum 2021. Solidarität in der Krise – Tagungsbericht. Vor Corona sind nicht alle gleich: Entwicklung sozialer Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt“ finden Sie hier.

Seit Beginn des Jahres 2021 veröffentlicht die LAG Arbeit in Hessen e.V.  in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences die neue Berichtsreihe „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen“

Autor:innen des Berichtes Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen März 2022

Nele Keth – Projektmitarbeiterin im ISR
Christian Kolbe – geschäftsführender Direktor des ISR
Freya Köster – Projektmitarbeiterin im ISR

Immer weniger Arbeitslose im SGB II werden durch die Jobcenter in arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen vermittelt

Die Zahl der Zuweisungen in arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen des SGB II war im Dezember 2021 in Hessen um 34,5 Prozent geringer als im letzten Monat vor der Corona-Pandemie, im Februar 2020.

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Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktpolitische Instrumente (Zeitreihe Monatszahlen) Hessen, Dezember 2021

Im Vergleich zum Dezember 2019 ist die Zahl der Menschen, die in arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen vermittelt wurde um 25,5 Prozent gesunken.

Die Zahl der Arbeitslosen hat sich in Hessen im Verlauf der Pandemie in den beiden Bereichen SGB III (Arbeitslosenversicherung) und SGB II (umgangssprachlich „Hartz IV“) unterschiedlich entwickelt.

Im Rechtskreis SGB III ist die Zahl der Arbeitslosen zu Beginn der Pandemie stark angestiegen, nun hat sie sich aber klar erholt, so gibt es in Hessen im Dezember 2021 1,9 Prozent weniger Arbeitslose im SGB III als im Dezember 2019. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (Dezember 2020) ist die Zahl der Arbeitslosen im SGB III sogar um 35,1 Prozent gesunken.

Die positive Entwicklung am hessischen Arbeitsmarkt gilt aber nicht für den Rechtskreis SGB II.

Zwar ist auch hier im Vergleich zum Vorjahresmonat (Dezember 2020) die Zahl der Arbeitslosen um 0,7 Prozent gesunken. Im Vergleich zum selben Monat vor der Pandemie, Dezember 2019, ist sie jedoch stark gestiegen. So waren im Dezember 2019 im Rechtskreis SGB II in Hessen 91.889 Menschen arbeitslos gemeldet, im Dezember 2021 waren es 103.668 Menschen, ein Anstieg um 12,8 Prozent . (Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosigkeit und Grundsicherung für Arbeitssuchende, Monatszahlen, Hessen)

Gleichzeitig vermitteln die Jobcenter in Hessen seit März 2020 in Folge der Corona-Pandemie deutlich weniger Menschen in arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen. Nach einer Erholung der Zahlen im Sommer 2020 sind die Zuweisungen in Fördermaßnahmen durch die Jobcenter ab Oktober 2020 wieder gesunken und haben sich seit dem nicht wesentlich erholt.

Die Tendenz ist besorgniserregend, die aktuell rasant steigenden Corona-Zahlen dürfen mittelfristig nicht die Aktivierung und Wiedereingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt behindern. Gerade in diesen Zeiten müssen die Möglichkeiten der Jobcenter, Arbeitslosen über Fördermaßnahmen Soziale Teilhabe und den (Wieder-) Einstieg in die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen, voll ausgeschöpft werden.

Die LAG Arbeit in Hessen fordert Politik und Jobcenter dazu auf, der aktiven Arbeitsmarktpolitik neue Kraft zu geben und einer Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit entgegenzuwirken

Die gemeinnützigen Beschäftigungs- und Bildungsträger in Hessen stehen mit ihren Projekten bereit, arbeitslose Menschen auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt zu begleiten. Seit Beginn der Pandemie wird mit viel Engagement eine jeweils pandemie-konforme Weiterbildung und Aktivierung ermöglicht, sei es in Präsenz, in verkleinerten Gruppen und /oder unter Einsatz digitaler Medien – aktuell kommen aber durch die reduzierte Zuweisungstätigkeit der Jobcenter weniger Menschen in den Förderprojekten an.

Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Dezember 2021

Migrationspolitik und ihre Verbindung zur Arbeitsmarktpolitik: Eine
exemplarische Analyse am Beispiel der Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung

Der vorliegende Report „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Dezember 2021“ wirft einen kritischen Blick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Ausbildungs- und der Beschäftigungsduldung. Auf Basis des bestehenden Rechtsrahmens werden die realen Perspektiven von Menschen mit Fluchthintergrund auf eine sichere Bleibeperspektive aufgezeigt und Hinderungsgründe beleuchtet.

So schreiben die Autor*innen, dass „Die Abbildung der gesetzlichen Regelungen und Restriktionen hinsichtlich der Duldung und Ausbildungsduldung auf eine komplexe und paradoxe Situation der Arbeitsmarkt(integration) geflüchteter Personen“ hinweist. Die Aufnahme einer Ausbildung oder einer Erwerbstätigkeit, insbesondere in Berufen, in denen Fachkräftebedarf besteht, ist einerseits die Voraussetzung für eine Integration über die Duldung. Andererseits sind jedoch die Zugangsbeschränkungen und formalen Barrieren so hoch, dass sie für geflüchtete Menschen und ihre potenziellen Arbeitgeber:innen oft nicht erfüllbar sind.

Der Report zeigt auf, dass der Status der geflüchteten Menschen auch in diesen neu geschaffenen Regelungen unsicher bleibt, da es sich bei der Duldung bzw. Ausbildungsduldung lediglich um eine Aussetzung einer Abschiebung handelt, weshalb die ständige Gefahr einer Abschiebung bestehen bleibt. Mit dieser auf Dauer prekären Situation werden die Integrationschancen der betreffenden Personen maßgeblich erschwert, weil keine Zukunftsplanung möglich ist. Problematisch ist zudem, dass die Abhängigkeit des Aufenthalts an eine Erwerbstätigkeit immer auch ein Risiko dafür darstellt, dass prekäre und ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in Kauf genommen werden (müssen).

Die Soziale Arbeit im Kontext von Qualifizierungs- und Beschäftigungsförderung fordern die Autor*innen auf, „eine Infrastruktur zu schaffen, die es den Menschen in der Situation erlaubt, Zugänge zu den spärlichen Möglichkeiten zu gewährleisten, eine einigermaßen abgesicherte Existenz zu erreichen, die der Duldungsparagraph immerhin vorsieht und der für sie eine Mindestperspektive bieten kann“.

Den ausführlichen Report „Migrationspolitik und ihre Verbindung zur Arbeitsmarktpolitik: Eine exemplarische Analyse am Beispiel der Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung“ finden Sie hier.

Seit Beginn des Jahres 2021 veröffentlicht die LAG Arbeit in Hessen e.V.  in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences die neue Berichtsreihe „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen“

Autor:innen des Berichtes Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Dezember 2021

Nele Keth – Projektmitarbeiterin im ISR
Christian Kolbe – geschäftsführender Direktor des ISR
Freya Köster – Projektmitarbeiterin im ISR
Tanja Oberfell – Projektmitarbeiterin im ISR

Jobcenter fördern immer noch deutlich weniger Langzeitarbeitslose durch Aktivierungsmaßnahmen als vor der Pandemie

Die Zahl der Zuweisungen in arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen des SGB II war im September 2021 in Hessen um 22,9 Prozent geringer als im Februar 2020

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktpolitische Instrumente (Zeitreihe Monatszahlen) Hessen, September 2021

Als Folge der Corona-Pandemie vermitteln die Jobcenter in Hessen seit März 2020 deutlich weniger Menschen in arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen. Nach einer Erholung der Zahlen im Sommer 2020 ist die Vermittlungstätigkeit der Jobcenter ab Oktober 2020 wieder gesunken und hat sich seit dem nicht wesentlich erholt.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Zuge der Pandemie bundesweit erstmalig wieder über eine Millionen gestiegen. Gleichzeitig können aber gerade arbeitsmarktfernere, sozial benachteiligte Personengruppen nicht ausreichend durch die pandemiebedingt auf Telefon- oder Email-Kontakt umgestellten Betreuungsangebote erreicht werden. Während jedoch weite Teile der Wirtschaft mittlerweile von Lockerungen der Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen profitieren stockt die Aktivierungstätigkeit der Arbeitsverwaltung. Im September 2021 wurden in Hessen nur 9850 Menschen in arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen des SGB II vermittelt. Das sind 31,9 Prozent weniger als im selben Monat im Jahr 2019.

Die LAG Arbeit in Hessen fordert Politik und Jobcenter dazu auf, der aktiven Arbeitsmarktpolitik neue Kraft zu geben und einer Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit entgegenzuwirken

Die gemeinnützigen Bildungs- und Beschäftigungsträger in Hessen stehen mit ihren Projekten bereit, langzeitarbeitslose Menschen auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt zu begleiten – aktuell kommen aber durch die reduzierte Zuweisungstätigkeit der Jobcenter weniger Menschen in den Förderprojekten an.

Interdependenzen von Wohnungs- und Arbeitslosigkeit

IM FOKUS: ARBEITSMARKT HESSEN SEPTEMBER 2021

Der vorliegende Bericht widmet sich dem schwierigen Verhältnis von Arbeits- und Wohnungslosigkeit. Wie in den vergangenen Ausgaben von „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen“ fokussieren die Autor:innen Nele Keth, Prof. Dr. Christian Kolbe, Freya Köster und Tanja Oberfell, dabei auf neuralgische Situationen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Drei Themen stehen im Vordergrund: die (Un)möglichkeiten der Arbeitsaufnahme, die Schwierigkeiten damit, Arbeit in der Situation von Wohnungslosigkeit zu halten und die Frage der Sinnhaftigkeit von Erwerbsarbeit als vorrangige Perspektive der Veränderung im Zusammenhang mit anderen lebensweltlichen Herausforderungen im Zuge von Wohnungslosigkeit. Wesentlich für die Diskussion ist es demzufolge, sich der Heterogenität der Lebenssituation der Menschen gewahr zu sein, die keinen einheitlichen Blick auf das Thema Arbeit und dessen Bedeutung haben (können). Eine passgenaue Hilfe müsste die unterschiedlichen Bedürfnisinterpretationen zum Ausgangspunkt nehmen.

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht Interdependenzen von Wohnungs- und Arbeitslosigkeit“.

In der neuen Berichts-Reihe Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen, die das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Science unter der Leitung von Professor Christian Kolbe seit Anfang des Jahres 2021 für die LAG Arbeit in Hessen erstellt, nehmen die Autor:innen die Lebenswelten und Arbeitsmarktchancen von Benachteiligten sowie die Auswirkungen sozialstaatlichen Handelns kritisch in den Blick.

Zweitägige Fortbildung: Umgang mit aggressivem Verhalten und Gewaltsituationen in der Jugendberufshilfe – angemessen handeln, deeskalieren, intervenieren

Im pädagogischen Alltag erleben Fachanleiter*innen und Pädagog*innen manchmal Eskalationen bzw. aggressives Verhalten zwischen Teilnehmenden, aber auch gegenüber den Mitarbeitenden selbst. Fallmanager*innen müssen sich in krisenhaften Situationen mit aggressivem und auch gewaltbereitem Verhalten ihrer Kund*innen auseinandersetzen.

Das Seminar greift solche besonderen Anforderungen im beruflichen Alltag auf und vermittelt Wissen und Methoden, in solchen Konfliktsituationen handlungsfähig zu bleiben bzw. zu werden und angemessen zu agieren.

Hier finden Sie eine ausführliche Beschreibung dieser Fortbildung als PDF-Dokument.

Bitte buchen Sie die Fortbildung hier über unser Buchungssystem.

Fortbildungsziele:

  • Kompetenzerweiterung im Erkennen und in der Analyse eskalierender Alltagssituationen
  • Kompetenzerweiterung im Anwenden deeskalierender und intervenierender Methoden
  • Erarbeitung eines Methodenrepertoires zur Gestaltung präventiver und krisenvermeidender Maßnahmen analog zu den jeweiligen institutionellen Rahmenbedingungen
  • Erarbeitung von angemessenen Handlungsmöglichkeiten in hoch eskalierten und gewaltgeprägten Situationen

Inhalte der Fortbildung:

  • Gewalt und Aggression
  • Kommunikation
  • Umgang mit Provokationen
  • Eskalations- und De-Eskalationsdynamik erkennen und einschätzen
  • Konstruktive De-Eskalation
  • Handeln in hocheskalierten Situationen

Fachlicher Hintergrund:

  • Erlernen und Anwenden professioneller Handlungsstrategien
  • Betonung persönlicher und institutioneller Stärken
  • Handeln im Team
  • Erarbeitung eines institutionellen Handlungsplans
  • Sicheres Handeln unabhängig von Alter, Geschlecht, körperlicher Stärke, fachlichem Hintergrund

Trainerin:

Sabine Schlegel, Theologin, AAT-Trainerin/Coolnesstrainerin®, Mediatorin, Fachkraft für Täterarbeit häusliche Gewalt nach BAG TäHG (FTHG), seit 1998 Mitarbeiterin bei JUKO Marburg e.V., einem freien Jugendhilfeträger, im Bereich Gewaltprävention und -Intervention.

Online-Diskussion Arbeitsmarktpolitik: Mehr soziale Teilhabe für Benachteiligte – Praxis trifft Politik

unter dem Titel Arbeitsmarktpolitik: Mehr soziale Teilhabe für Benachteiligte – Praxis trifft Politik wird die LAG Arbeit in Hessen e.V. am 27.08., 12 – 14 Uhr eine Online-Diskussion über Zoom veranstalten.

Aus der hessischen Landespolitik werden an der Diskussion teilnehmen:

  • Sabine Bächle-Scholz, MdL, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion
  • Marcus Bocklet, MdL, sozialpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
  • Christiane Böhm, MdL, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke
  • Lisa Gnadl, MdL, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion

Als Expert*innen nehmen teil:

  • Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin Jobcenter Frankfurt am Main (gE)
  • Kerstin Gerbig,  Vorsitzende der LAG Arbeit in Hessen e.V.
  • Gerlind Jäckle,  Vorstandsmitglied der LAG Arbeit in Hessen e.V.
  • Sebastian Kleist, Vorstand Kommunales Jobcenter Lahn-Dill
  • Andrea Martin, Jobcenter Landkreis Marburg-Biedenkopf, Fachbereichsleitung Integration und Arbeit
  • Clemens Mellentin, Vorstandsmitglied der LAG Arbeit in Hessen e.V.

Moderation: Michael Lechner, Bauhaus Werkstätten Wiesbaden

Möchten Sie an der Online-Konferenz am 27.08.2021 teilnehmen? Dann melden Sie sich bitte hier über unser Buchungssystem bis zum 24.08.21 an.

Arbeitsmarkt im Fokus: Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt

Hier finden Sie die Ausgabe Februar / März 2021 der neuen Reihe „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen“, die das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied für die LAG Arbeit in Hessen erstellt.

In der vorliegenden Studie werden die wachsenden Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt beleuchtet, die durch die Corona-Krise noch verstärkt werden. Der Begriff Passungsproblem bezeichnet die gegenwärtige Situation auf dem deutschen Ausbildungsmarkt, in der einerseits Ausbildungsplatzangebote ungenutzt bleiben, während andererseits Ausbildungsstellenbewerber/-innen bei ihrer Ausbildungsplatzsuche erfolglos bleiben.

In Teil 1 dieses Berichtes werden ausgehend von Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Oktober 2020, aktuelle quantitative Dimensionen des Verhältnisses von Besetzungs- und Versorgungsproblemen auf dem Ausbildungsmarkt skizziert und Daten für Hessen präsentiert.

Teil 2 des vorliegenden Berichtes zeigt auf, dass vor allem vulnerable Gruppen – Jugendliche mit Hauptschulabschluss, mit Migrationshintergrund, Frauen der Weg in die Ausbildung erschwert wird.

Die Autor*innen Nele Keth, Christian Kolbe, Freya Köster und Tanja Oberfell fassen zusammen:

  • Die „Schrumpfung des (Ausbildungs-)Marktes“ zeichnet sich seit geraumer Zeit ab. Passungsprobleme existieren seit vielen Jahren und werden durch die Pandemie lediglich in ihren Auswirkungen noch verstärkt. Ein originärer „Corona-Effekt“ lässt sich – bezüglich der Passung auf dem Ausbildungsmarkt – nicht beobachten.
  • Bildungsabschlüsse sind zentral für die Ermöglichung gelingender Übergänge in Ausbildung. Jugendliche vulnerabler Gruppen haben schwierigere Bildungszugänge, die häufig niedrige Bildungsabschlüsse zur Folge haben. In Verbindung mit einem Migrationshintergrund überkreuzen sich Deprivilegierungen und begünstigen zusätzlich Selektions- und Schließungsprozesse.
  • Die Einschätzungen über die schwierige Einmündung in Ausbildung, jenseits von wirtschaftsstrukturellen Aspekten, sind widerstreitend. Aus Jugendstudien wird deutlich, dass dabei strukturelle Hürden und kumulierende Problembelastungen einen Übergang systematisch erschweren.
  • Für Jugendliche in besonders prekärer Situation sind es, jenseits berufsspezifischer Unterstützungen, besonders niedrigschwellige Angebote, die die Komplexität der multiplen prekären Verhältnisse in den Blick nehmen und bedürfnisorientiert begleiten können.

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Februar / März 2021

Arbeitsmarkt im Fokus: Corona und Frauen in Minijobs

Corona und Frauen in Minijobs – vulnerabel wie alle und doch besonders betroffen

Dies ist der Titel der ersten Ausgabe unserer neuen Berichts-Reihe „Arbeitsmarkt im Fokus“, die die LAG Arbeit in Hessen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt Univerisity of Applied Science veröffentlicht. Die neue Reihe wird über aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt berichten und hierbei besonders die Teilhabechancen und Arbeitsmarkt-Perspektiven von Sozialbenachteiligten in den Blick nehmen. 

Minijobs wurden mit ihrer Einführung nicht selten euphemistisch als „Sprungbrett“ in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bezeichnet, als Möglichkeit, in den ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden – vor allem für Frauen. Diesen empirisch wenig belegten „Mythos“ (verdi 2017) von systematischen `Klebeeffekten‘ (vgl. u.a. Böhmer, Peichl 2020) unter den Bedingungen der Pandemie kritisch zu beleuchten, ist Gegenstand der ersten Ausgabe der neuen Berichtsreihe „Arbeitsmarkt im Fokus“ der LAG Arbeit in Hessen sein. „Corona“, so aktuelle Befunde, zeigt sich als eine Situation, die Ungleichheitsstrukturen verstärkt, in der sich Prekarität für ausgewählte gesellschaftliche Gruppen in besonderer Weise manifestiert. Die im Mittelpunkt des Berichts stehenden Studien, in denen Aspekte des oben genannten Themas mit beleuchtet werden, liefern ein aussagekräftiges Bild davon, wie sich im Zuge der Pandemie strukturelle Ausschlüsse für Frauen in geringfügiger Beschäftigung verfestigen.

Coronakrise und Minijobs: Binnen drei Monaten verloren 500.000 Menschen ihre Arbeit

Knapp sechzig Prozent der im Juni 2020 deutschlandweit etwa 5,9 Millionen Minijobber*innen waren Frauen (3,5 Millionen). Im Juni 2020 – also inmitten der Corona Pandemie – ist laut Minijobzentrale im Vergleich zum Vorquartal deutschlandweit dabei ein Rückgang von insgesamt 7,5 Prozent (vorher 6,4 Millionen insgesamt) der Minijobber*innen zu verzeichnen. 500.000 Menschen verloren demnach binnen drei Monaten ihre Arbeit.


Hans Böckler Stiftung (2020) Verteilung – Corona verstärkt die Ungleichheit, in: Böckler-Impuls, Ausgabe 19

Dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) zufolge zeichnet sich dadurch ein Trend zu verschärfter sozialer Ungleichheit ab, der zweierlei aufzeigt: „Der Abstand zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland wird durch die Corona-Pandemie weiter wachsen. Menschen mit schon vorher niedrigen Einkommen sind im bisherigen Verlauf der Krise fast doppelt so häufig von Einbußen betroffen wie Menschen mit hohen Einkommen. Damit verschärft sich ein Trend, der schon die wirtschaftlich starken 2010er-Jahre gekennzeichnet hat. […] Je niedriger ihr Einkommen schon vor der Krise war, desto häufiger haben Befragte im Zuge der Pandemie an Einkommen eingebüßt. Zudem steigt mit abnehmendem Einkommen auch der relative Verlust. Wer weniger hatte, hat auch viel verloren“ (Hans Böckler Stiftung 2020: 4f; vgl. auch Kohlrausch 2020).

Den ausführlichen Bericht Arbeitsmarkt im Fokus 01/2021 finden Sie hier. 

Arbeitsmarkt im Fokus

Dies ist die erste Ausgabe einer neuen Berichts-Reihe, die von der LAG Arbeit in Hessen e.V.  in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences veröffentlicht wird.

Autor*innen des Berichtes Arbeitsmarkt im Fokus 01/2021:

Nele Keth – Projektmitarbeiterin im ISR
Freya Köster – Projektmitarbeiterin im ISR
Christian Kolbe – geschäftsführender Direktor des ISR

CORONA-Pandemie: Zuweisung der Jobcenter in arbeitsmarkt-politische Fördermaßnahmen wieder deutlich unter Vorjahresniveau

Als Folge des ersten Lockdowns ist im Frühjahr diesen Jahres die Eingliederung von SGB-II-Empfängern durch die Jobcenter massiv eingebrochen. So wurden im Mai 2020 etwa 77 Prozent weniger Menschen in Fördermaßnahmen vermittelt als im Mai 2019. (Ausführlich hierzu der Arbeitsmarkt-Report Hessen 06/2020)

Über den Sommer ist die Eingliederungstätigkeit der Jobcenter leicht gestiegen (Juli 2020 wurden in Hessen 7763 SGB-2-Empfänger in Fördermaßnahmen vermittelt gegenüber 11.689 im Juli 2019. Im September gab es dann einen deutlichen Anstieg der Eingliederungstätigkeit (11.659 Zuweisungen in Förderinstrumente im September 2020 gegenüber 14.457 im September 2019.)

Im Oktober 2020 ist jedoch die Eingliederungstätigkeit wieder dramatisch gesunken

Nach aktuellen Zahlen wurden im Oktober 2020 in Hessen nur 7921 Langzeitarbeitslose in Fördermaßnahmen des SGB-II vermittelt. Das sind 41,45 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Dort gab es 13.528 Vermittlungen in Fördermaßahmen (Alle Daten zur Eingliederungstätigkeit in Hessen sind der Statistik der Bundesagentur für Arbeit: „Arbeitsmarktpolitische Instrumente“ (Zeitreihen Monatszahlen), Nürnberg Oktober 2020 entnommen.

Die gemeinnützigen Bildungs- und Beschäftigungsträger in Hessen stehen mit ihren Projekten bereit, unter Einhaltung der Hygienepläne auch in diesen Zeiten langzeitarbeitslose Menschen auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt zu begleiten – aktuell kommen aber durch die geringe Zuweisungstätigkeit der Jobcenter und Arbeitsagenturen nur wenige Menschen in den Projekten an.

Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juli 2022

Lohnarbeit macht krank, keine zu haben auch.
Zum Verhältnis von Arbeit und Gesundheit zwischen prekärer Arbeit, Arbeitsüberlastung und Arbeitslosigkeit

Im vorliegenden Bericht Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juli 2022 widmen sich die Autor:innen Professor Christian Kolbe, Freya Köster und Nele Keth den Auswirkungen von Arbeits- und Leistungsdrucks auf die Gesundheit. Einen Schwerpunkt legen sie dabei auf die Gesundheitsrisiken von Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen und von Geringqualifizierten. Dafür sichten sie aktuelle Studien deutscher Krankenkassen und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB), in denen auf unterschiedlichen Ebenen Stress, Erschöpfung und damit einhergehende, häufig psychische Erkrankungen analysiert werden. Zusätzlich ziehen sie die Inhalte aktueller Gesundheitsreports wie der Datenreport 2021 und das Journal of Health Monitoring dazu heran, um darüber nachzudenken, inwiefern soziale Ungleichheit im Zusammenhang von Erwerbstätigkeit und Gesundheit präsent ist.

Im Hinblick auf die gesichteten Studien kritisieren sie: „Zu unterschiedlich – teilweise gar nicht definiert – wird dabei mit schillernden Begriffen wie Stress, Erschöpfung und Krankheit in den verwendeten Studien umgegangen. Zu unterschiedlich sind auch die Beschreibungsweisen zwischen den durch Lohnarbeit Überlasteten und denjenigen, die keine Lohnarbeit ausüben und so unter Druck gesetzt werden.“

Der vorliegende Bericht macht sich zur Aufgabe „Einblicke in diese diffuse Debatte – nicht deren Auflösung – rund um die Diagnose der Last der Arbeit in einer Wettbewerbsgesellschaft zu geben, in der Krankheit zumeist, wenn auch nicht immer als individuelles Versagen markiert ist.“

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juli 2022“.


Seit Beginn des Jahres 2021 veröffentlicht die LAG Arbeit in Hessen e.V.  in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences die neue Berichtsreihe „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen“

Autor:innen des Berichtes Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juni 2022

Nele Keth – Projektmitarbeiterin im ISR
Christian Kolbe – geschäftsführender Direktor des ISR
Freya Köster – Projektmitarbeiterin im ISR