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Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juli 2022

Lohnarbeit macht krank, keine zu haben auch.
Zum Verhältnis von Arbeit und Gesundheit zwischen prekärer Arbeit, Arbeitsüberlastung und Arbeitslosigkeit

Im vorliegenden Bericht Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juli 2022 widmen sich die Autor:innen Professor Christian Kolbe, Freya Köster und Nele Keth den Auswirkungen von Arbeits- und Leistungsdrucks auf die Gesundheit. Einen Schwerpunkt legen sie dabei auf die Gesundheitsrisiken von Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen und von Geringqualifizierten. Dafür sichten sie aktuelle Studien deutscher Krankenkassen und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB), in denen auf unterschiedlichen Ebenen Stress, Erschöpfung und damit einhergehende, häufig psychische Erkrankungen analysiert werden. Zusätzlich ziehen sie die Inhalte aktueller Gesundheitsreports wie der Datenreport 2021 und das Journal of Health Monitoring dazu heran, um darüber nachzudenken, inwiefern soziale Ungleichheit im Zusammenhang von Erwerbstätigkeit und Gesundheit präsent ist.

Im Hinblick auf die gesichteten Studien kritisieren sie: „Zu unterschiedlich – teilweise gar nicht definiert – wird dabei mit schillernden Begriffen wie Stress, Erschöpfung und Krankheit in den verwendeten Studien umgegangen. Zu unterschiedlich sind auch die Beschreibungsweisen zwischen den durch Lohnarbeit Überlasteten und denjenigen, die keine Lohnarbeit ausüben und so unter Druck gesetzt werden.“

Der vorliegende Bericht macht sich zur Aufgabe „Einblicke in diese diffuse Debatte – nicht deren Auflösung – rund um die Diagnose der Last der Arbeit in einer Wettbewerbsgesellschaft zu geben, in der Krankheit zumeist, wenn auch nicht immer als individuelles Versagen markiert ist.“

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juli 2022“.


Seit Beginn des Jahres 2021 veröffentlicht die LAG Arbeit in Hessen e.V.  in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences die neue Berichtsreihe „Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen“

Autor:innen des Berichtes Im Fokus: Arbeitsmarkt Hessen Juni 2022

Nele Keth – Projektmitarbeiterin im ISR
Christian Kolbe – geschäftsführender Direktor des ISR
Freya Köster – Projektmitarbeiterin im ISR

Arbeitsmarkt-Report 06/2019: Arbeitslosigkeit und Gesundheit

Zahl der arbeitsunfähigen Bezieher von Arbeitslosengeld II ist gestiegen

Im Land Hessen bezogen im Jahr 2018 monatlich rund 292.000 erwerbsfähige Personen Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (“Hartz IV“) nach dem zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II).

Nur rund ein Drittel der Grundsicherungs-Empfänger ist offiziell arbeitslos

Der überwiegende Teil der Erwerbsfähigen im Hartz-IV-System fällt wegen Sonderregelungen aus der Arbeitslosenstatistik. Gründe hierfür sind zum Beispiel der Besuch von Bildungseinrichtungen, die Teilnahme an Maßnahmen, die Sorgearbeit für Angehörige und Kinder sowie Arbeitsunfähigkeit.

Arbeitsunfähige Bezieher von ALG II in Hessen
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Strukturen der Grundsicherung SGB II – Deutschland, West/Ost, Länder und Kreise (Zeitreihe Monats- und Jahreszahlen ab 2005), Mai 2019, Tabelle 5, Auswertung durch ISAM

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt, dass knapp 19.000 Erwerbsfähige im Leistungsbezug nach dem SGB II aufgrund von Arbeitsunfähigkeit nicht arbeitslos waren. Das entspricht 6,4 Prozent aller erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Bezieher in Hessen.

Hier kommen Sie direkt zum ausführlichen Arbeitsmarkt-Report 06/2019

Arbeitsunfähigkeit bis zu einer Dauer von sechs Wochen zählt in der BA-Statistik als „Unterbeschäftigung im engeren Sinne“. Kurzfristig Arbeitsunfähige sind daher nicht arbeitslos, sondern nur arbeitsuchend. Dauert die Krankheit länger als sechs Wochen an, sind die Leistungsberechtigten auch nicht mehr arbeitsuchend im Sinne der Statistik. Bei langanhaltender Krankheit ist das zuständige Jobcenter dazu angehalten, die Erwerbsfähigkeit der Betroffenen zu überprüfen.

Auffällig ist, dass seit 2007 die Zahl der arbeitsunfähigen Bezieher von ALG II sowohl absolut, als auch prozentual gemessen an der Gesamtheit aller erwerbsfähigen ALG-II-Empfänger zugenommen hat.

Krankheit macht arbeitslos und Arbeitslosigkeit macht krank

Aus Sicht der Wissenschaft gibt es kausale negative Zusammenhänge zwischen der tatsächlichen Beschäftigungslosigkeit und Gesundheit bzw. Krankheit. So erhöhen nicht nur vorhandene physische und psychische Einschränkungen der Gesundheit das Risiko, arbeitslos zu werden. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass sich Arbeitslosigkeit negativ auf die psychische Gesundheit der Betroffenen auswirkt. Hierauf weist beispielsweise der Fehlzeiten-Report 2018 der Krankenkasse AOK hin. Arbeitslose entwickeln demnach ein beeinträchtigtes Sinnempfinden, dass demotivierend und depressiv auf sie wirkt und daher psychische Erkrankungen befördert und die Arbeitssuche erschwert. Die materiellen Einschnitte, die aus dem Jobverlust und langfristiger Arbeitslosigkeit resultieren, wirken sich zusätzlich negativ auf den Gesundheitszustand von Arbeitslosen aus.

Wenn die Aufnahme einer Erwerbsarbeit nicht umsetzbar ist, können aus Sicht der Wissenschaft andere sinnstiftende Tätigkeiten wie zum Beispiel Freiwilligenarbeit Abhilfe schaffen und die psychische Gesundheit von Arbeitslosen verbessern.

Ausführliche Informationen zu den Verweildauern im SGB-II erhalten Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 06/2019

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.