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Arbeitsmarkt-Report Hessen 11/2019: Ausschöpfung der Eingliederungsmittel der Jobcenter erreicht neuen Tiefstand

Arbeitsmarkt-Report Hessen 11/2019

Der Bund weist den Jobcentern jährlich ein Budget zu, das zur Finanzierung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen wie zum Beispiel Qualifizierungsmaßnahmen oder öffentlich geförderter Beschäftigung verwendet werden soll. Grundlage für die Zuweisungen der sogenannten Eingliederungsmittel ist ein Finanzierungsschlüssel, in dem unter anderem die Zahl der vom jeweiligen Jobcenter betreuten Personen berücksichtigt wird.

Quelle: Arbeitsmarkt-Report Hessen 11/2019, ISAM, Daten der Bundesagentur für Arbeit zur Eingliederungsbilanz nach § 54 SGB II, September 2019

Das Budget der Jobcenter in Hessen wurde 2018 auf 260 Millionen Euro erhöht und ist damit zum fünften Mal in Folge angestiegen. Insgesamt gaben die Jobcenter in Hessen aber nur knapp 184 Millionen Euro für Arbeitsförderung aus.

Damit wurden knapp 77 Millionen Euro nicht für den eigentlichen Zweck, der Förderung von Leistungsempfängern der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II bzw. „Hartz IV“) verwendet.

Die Jobcenter in Hessen schöpften also lediglich 71 Prozent des verfügbaren Budgets aus. Über ein Viertel der Eingliederungsmittel wurden nicht für den ursprünglich vorhergesehenen Zweck verwendet. Die Ausschöpfungsquote erreichte damit einen neuen historischen Tiefstand.

Grundsätzlich mangelt es nicht an ausreichend Förderkandidaten. Allerdings nahmen 2018 in Hessen gerade einmal 8,6 Prozent der rund 292.000 Leistungsempfänger des SGB II im erwerbsfähigen Alter an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teil.

Die Ausschöpfung der Eingliederungsmittel variiert erheblich zwischen den 26 Jobcentern in Hessen.

Die höchsten Ausschöpfungsquoten erreichten im Jahr 2018 die Jobcenter Bergstraße (94 Prozent), Main-Kinzig-Kreis (87 Prozent) und Werra-Meißner-Kreis (86 Prozent). Ihnen gegenüber standen die Jobcenter Hersfeld-Rotenburg und Vogelsbergkreis (je rund 53 Prozent) und Offenbach (43 Prozent) mit den geringsten Ausschöpfungsquoten.

Ausführliche Information zur Ausschöpfung der Eingliederungsmittel in den hessischen Jobcentern erhalten Sie im Arbeitsmarkt-Report 11/2019

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Arbeitsmarkt-Report 07/2019: Qualifikationsniveau von Arbeitslosen in Hessen

Ungelernte haben schlechte Chancen auf dem hessischen Arbeitsmarkt – Hohe Nachfrage nach Fachkräften

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen 07/2019 betrachtet das Qualifikationsniveau von Arbeitslosen im Hessen im Vergleich zu den offenen Stellen.

Knapp 291.000 Arbeitsuchende zählte das Land Hessen pro Monat zwischen Juli 2018 und Juni 2019. Etwa die Hälfte war auch offiziell arbeitslos und stand somit dem Arbeitsmarkt auch formal vollumfänglich zur Verfügung.

Rund 68.000 beziehungsweise etwa 45 Prozent der Arbeitslosen suchten nach einer Beschäftigung auf Helferniveau.

Die Aussichten auf dem hessischen Arbeitsmarkt sind für Helfer allerdings schlecht: Weniger als jede fünfte der insgesamt knapp 56.000 in diesem Zeitraum bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Stellen war eine Beschäftigung auf Helferniveau. Auf jede ausgeschriebene Stelle im Helferbereich in Hessen kamen also rechnerisch fast sieben Arbeitslose.

Arbeitsmarkt nach Berufen
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt nach Berufen (KldB 2010) – Deutschland, West/Ost und Länder (Monatszahlen), Juli 2018 – Juni 2019, Tabelle 1.9

Die meisten offenen Stellen gab es laut der BA-Statistik hingegen auf Fachkräfteniveau. Zwischen Juli 2018 und Juni 2019 waren in Hessen monatlich nahezu 36.000 Stellen bei der BA gemeldet. 64 Prozent beziehungsweise zwei von drei Stellenangeboten im Land Hessen waren demnach an Fachkräfte adressiert.

Demgegenüber stehen aber relativ wenige Arbeitslose mit einer geeigneten Qualifikation. Nur rund 52.000 also ein Drittel der Arbeitslosen war im selben Zeitraum auf der Suche nach einer Beschäftigung als Fachkraft. Das Verhältnis von Arbeitslosen zu gemeldeten Stellen lag demnach bei 1,5 zu 1.

Das Anforderungsniveau wird unabhängig von der Branche der gemeldeten Stellen festgelegt und bezieht sich auf das Profil von spezifischen Arbeitsstellen bzw. Arbeitslosen. Helfertätigkeiten können meistens ohne Vorkenntnisse ausgeübt werden, sodass Bewerber sich auf Helferstellen in verschiedenen Branchen bewerben können.

Ein höheres Anforderungsniveau geht hingegen mit komplexeren Tätigkeiten einher, die vorausgehende qualifikatorische Spezialisierungen wie zum Beispiel eine Ausbildung oder ein Studium der Bewerber voraussetzen. Selbst wenn es also mehr arbeitslose Fachkräfte als gemeldete Stellen auf Fachkraftniveau gibt, kann es also einen regionalen oder branchenspezifischen Mangel an geeigneten Bewerbern geben.

Ausführliche Informationen zum Anforderungsniveau der offenen Stellen in Hessen erhalten Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 07/2019

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.

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Arbeitsmarkt-Report 06/2019: Arbeitslosigkeit und Gesundheit

Zahl der arbeitsunfähigen Bezieher von Arbeitslosengeld II ist gestiegen

Im Land Hessen bezogen im Jahr 2018 monatlich rund 292.000 erwerbsfähige Personen Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (“Hartz IV“) nach dem zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II).

Nur rund ein Drittel der Grundsicherungs-Empfänger ist offiziell arbeitslos

Der überwiegende Teil der Erwerbsfähigen im Hartz-IV-System fällt wegen Sonderregelungen aus der Arbeitslosenstatistik. Gründe hierfür sind zum Beispiel der Besuch von Bildungseinrichtungen, die Teilnahme an Maßnahmen, die Sorgearbeit für Angehörige und Kinder sowie Arbeitsunfähigkeit.

Arbeitsunfähige Bezieher von ALG II in Hessen
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Strukturen der Grundsicherung SGB II – Deutschland, West/Ost, Länder und Kreise (Zeitreihe Monats- und Jahreszahlen ab 2005), Mai 2019, Tabelle 5, Auswertung durch ISAM

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt, dass knapp 19.000 Erwerbsfähige im Leistungsbezug nach dem SGB II aufgrund von Arbeitsunfähigkeit nicht arbeitslos waren. Das entspricht 6,4 Prozent aller erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Bezieher in Hessen.

Hier kommen Sie direkt zum ausführlichen Arbeitsmarkt-Report 06/2019

Arbeitsunfähigkeit bis zu einer Dauer von sechs Wochen zählt in der BA-Statistik als „Unterbeschäftigung im engeren Sinne“. Kurzfristig Arbeitsunfähige sind daher nicht arbeitslos, sondern nur arbeitsuchend. Dauert die Krankheit länger als sechs Wochen an, sind die Leistungsberechtigten auch nicht mehr arbeitsuchend im Sinne der Statistik. Bei langanhaltender Krankheit ist das zuständige Jobcenter dazu angehalten, die Erwerbsfähigkeit der Betroffenen zu überprüfen.

Auffällig ist, dass seit 2007 die Zahl der arbeitsunfähigen Bezieher von ALG II sowohl absolut, als auch prozentual gemessen an der Gesamtheit aller erwerbsfähigen ALG-II-Empfänger zugenommen hat.

Krankheit macht arbeitslos und Arbeitslosigkeit macht krank

Aus Sicht der Wissenschaft gibt es kausale negative Zusammenhänge zwischen der tatsächlichen Beschäftigungslosigkeit und Gesundheit bzw. Krankheit. So erhöhen nicht nur vorhandene physische und psychische Einschränkungen der Gesundheit das Risiko, arbeitslos zu werden. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass sich Arbeitslosigkeit negativ auf die psychische Gesundheit der Betroffenen auswirkt. Hierauf weist beispielsweise der Fehlzeiten-Report 2018 der Krankenkasse AOK hin. Arbeitslose entwickeln demnach ein beeinträchtigtes Sinnempfinden, dass demotivierend und depressiv auf sie wirkt und daher psychische Erkrankungen befördert und die Arbeitssuche erschwert. Die materiellen Einschnitte, die aus dem Jobverlust und langfristiger Arbeitslosigkeit resultieren, wirken sich zusätzlich negativ auf den Gesundheitszustand von Arbeitslosen aus.

Wenn die Aufnahme einer Erwerbsarbeit nicht umsetzbar ist, können aus Sicht der Wissenschaft andere sinnstiftende Tätigkeiten wie zum Beispiel Freiwilligenarbeit Abhilfe schaffen und die psychische Gesundheit von Arbeitslosen verbessern.

Ausführliche Informationen zu den Verweildauern im SGB-II erhalten Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 06/2019

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.

Arbeitsmarkt-Report Hessen 05/2019: Leistungsbezug als Dauerzustand

Knapp sechzig Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) sind seit über zwei Jahren im Bezug

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen 05/2019 beleuchtet die Zahl der Arbeitslosengeld-II-Empfänger in Hessen.

Entwicklung Hartz IV Hessen
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Verweildauern im SGB II – Deutschland mit Ländern und Kreisen, Dezember 2017 und Dezember 2018.

Rund 244.000 Menschen in Hessen waren im Dezember 2018 bereits seit mindestens zwei Jahren auf Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (ALG II) nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II, umgangssprachlich: „Hartz IV“) angewiesen. Für deutlich mehr als die Hälfte (59,6 Prozent) der in Hessen lebenden ALG-II-Empfänger ist das Leben in der Grundsicherung also ein Dauerzustand.

Rund 157.000 Regelleistungsberechtigte in Hessen sind sogar seit mehr als vier Jahren auf ALG II angewiesen.

Das entspricht mehr als einem Drittel (38,4 Prozent) aller ALG-II-Empfänger. Ihr Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr um einen halben Prozentpunkt gestiegen. In diesem Zeitraum hat diese Form des verfestigten Leistungsbezugs zwar um rund 6.000 Personen abgenommen, im Verhältnis zu allen ALG-II-Empfängern machen diejenigen, die seit mindestens vier Jahren leistungsberechtigt sind, aber immer noch die größte Gruppe aus

Knapp 89.000 Menschen in Hessen erhalten erst seit weniger als einem Jahr ALG II. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen deutlichen Rückgang um knapp 28.000 Personen. Während im Vorjahr noch etwa jeder vierte Leistungsempfänger (26,9 Prozent) seit weniger als zwölf Monaten ALG II bezog, traf dies im Dezember 2018 auf etwa jeden Fünften (21,6 Prozent) zu. Ein möglicher Grund ist neben der konjunkturellen Entwicklung, dass die Zahl in den
letzten Jahren durch Flüchtlinge, die nach ihrer Anerkennung zunächst im System der Grundsicherung ankommen, beeinflusst wurde. Hier scheint der Höhepunkt aber mittlerweile überschritten.

Insgesamt befanden sich in Hessen im Dezember 2018 knapp 410.000 Personen im ALG-II-Bezug. Gegenüber dem Vorjahr hat hier die Zahl der ALG-II-Empfänger insgesamt um fast 22.000 Personen bzw. fünf Prozent abgenommen.

Im Vergleich mit den anderen Bundesländern und Deutschland gibt es in Hessen anteilig weniger ALG-II-Empfänger mit einer Bezugsdauer von mindestens vier Jahren. Während ihr Anteil bundesweit 41,7 Prozent aller ALG-II-Empfänger beträgt, reicht die Spanne in den Bundesländern von 32,3 Prozent in Bayern
bis 50,8 Prozent in Berlin. Mit 38,4 Prozent liegt Hessen im Ländervergleich im unteren Drittel.

Ausführliche Informationen zu den Verweildauern im SGB-II erhalten Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 05/2019

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.