Schlagwort-Archive: Hessen

Arbeitsmarkt-Report Hessen 05/2019: Leistungsbezug als Dauerzustand

Knapp sechzig Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) sind seit über zwei Jahren im Bezug

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen 05/2019 beleuchtet die Zahl der Arbeitslosengeld-II-Empfänger in Hessen.

Entwicklung Hartz IV Hessen
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Verweildauern im SGB II – Deutschland mit Ländern und Kreisen, Dezember 2017 und Dezember 2018.

Rund 244.000 Menschen in Hessen waren im Dezember 2018 bereits seit mindestens zwei Jahren auf Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (ALG II) nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II, umgangssprachlich: „Hartz IV“) angewiesen. Für deutlich mehr als die Hälfte (59,6 Prozent) der in Hessen lebenden ALG-II-Empfänger ist das Leben in der Grundsicherung also ein Dauerzustand.

Rund 157.000 Regelleistungsberechtigte in Hessen sind sogar seit mehr als vier Jahren auf ALG II angewiesen.

Das entspricht mehr als einem Drittel (38,4 Prozent) aller ALG-II-Empfänger. Ihr Anteil ist damit gegenüber dem Vorjahr um einen halben Prozentpunkt gestiegen. In diesem Zeitraum hat diese Form des verfestigten Leistungsbezugs zwar um rund 6.000 Personen abgenommen, im Verhältnis zu allen ALG-II-Empfängern machen diejenigen, die seit mindestens vier Jahren leistungsberechtigt sind, aber immer noch die größte Gruppe aus

Knapp 89.000 Menschen in Hessen erhalten erst seit weniger als einem Jahr ALG II. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen deutlichen Rückgang um knapp 28.000 Personen. Während im Vorjahr noch etwa jeder vierte Leistungsempfänger (26,9 Prozent) seit weniger als zwölf Monaten ALG II bezog, traf dies im Dezember 2018 auf etwa jeden Fünften (21,6 Prozent) zu. Ein möglicher Grund ist neben der konjunkturellen Entwicklung, dass die Zahl in den
letzten Jahren durch Flüchtlinge, die nach ihrer Anerkennung zunächst im System der Grundsicherung ankommen, beeinflusst wurde. Hier scheint der Höhepunkt aber mittlerweile überschritten.

Insgesamt befanden sich in Hessen im Dezember 2018 knapp 410.000 Personen im ALG-II-Bezug. Gegenüber dem Vorjahr hat hier die Zahl der ALG-II-Empfänger insgesamt um fast 22.000 Personen bzw. fünf Prozent abgenommen.

Im Vergleich mit den anderen Bundesländern und Deutschland gibt es in Hessen anteilig weniger ALG-II-Empfänger mit einer Bezugsdauer von mindestens vier Jahren. Während ihr Anteil bundesweit 41,7 Prozent aller ALG-II-Empfänger beträgt, reicht die Spanne in den Bundesländern von 32,3 Prozent in Bayern
bis 50,8 Prozent in Berlin. Mit 38,4 Prozent liegt Hessen im Ländervergleich im unteren Drittel.

Ausführliche Informationen zu den Verweildauern im SGB-II erhalten Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 05/2019

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.

Arbeitsmarkt-Report 02/2019: Übergänge in Erwerbstätigkeit von Geflüchteten

Mehr Flüchtlingen gelingt der Übergang von Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit

Der Anteil der vormals arbeitslos gemeldeten Flüchtlinge, die eine Erwerbstätigkeit aufgenommen haben, ist seit 2017 deutlich gestiegen.
Im November 2018 waren 14.800 Personen aus Asylherkunftsländer arbeitslos gemeldet. Im Dezember haben 815 Menschen mit Asylhintergrund, die vormals arbeitslos gemeldet waren, eine Arbeit aufgenommen. Das entspricht einer Abgangsrate in Erwerbstätigkeit von 5,5 Prozent, die Abgangsrate für alle anderen Arbeitslosen liegt bei 6,7 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen aus Asylherkunftsländern in Hessen im Dezember 2018 nahezu unverändert und lag zum Jahresende bei rund 14.600 (-0,5 Prozent). Dies entspricht rund 10 Prozent aller Arbeitslosen in Hessen.

Viele Flüchtlinge arbeiten in Helferberufen und in der Zeitarbeit, was seltener zu einer nachhaltigen Integration in den Arbeitsmarkt führt

Die steigende Abgangsrate in Erwerbstätigkeit für Flüchtlinge sollte dennoch nur vorsichtig optimistisch interpretiert werden. Der quantitative Zuwachs an Abgängen in Erwerbstätigkeit sagt alleine nichts über die Qualität der Beschäftigungsverhältnisse aus.

Insgesamt sind in Hessen zwei Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Arbeitnehmerüberlassung tätig. Allerdings arbeitete fast jeder sechste Beschäftigte aus Asylherkunftsländern (15,5 Prozent) zum Stichtag (30.06.2018) in Zeitarbeit. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich die Zahl um fast 2.300 auf rund 4.360 mehr als verdoppelt.

Mit Blick auf das Anforderungsniveau des Zielberufs arbeitete zum Stichtag (30.06.2018) fast die Hälfte (47,6 Prozent) der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern in einem Helferberuf. Insgesamt waren hingegen lediglich 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf Helferniveau angestellt.

Die Politik darf, auch angesichts des Fachkräftemangels, nicht nachlassen in ihren Bemühungen, Menschen mit Fluchthintergrund in Ausbildung zu vermitteln. Die Geflüchteten müssen dabei so unterstützt werden, dass Sprachschwierigkeiten und andere Hürden nicht zu einer hohen Abbrecherquote führen.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 02/2019.

Monatliche Übersicht über beschäftigungspolitische Maßnahmen in Hessen

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.

Foto: (c) Wrangler / Fotolia.de

Arbeitsmarkt-Report Hessen 12/2018 – Dauer der Arbeitslosigkeit

Jeder elfte  Arbeitslose in Hessen ist seit mindestens vier Jahren arbeitslos

Schwerpunkt des Arbeitsmarkt-Reportes 12/2018 ist die Dauer der Arbeitslosigkeit. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren von den insgesamt rund 154.000 Arbeitslosen in Hessen im Jahr 2018 8,7 Prozent seit mindestens vier Jahren arbeitslos. Im Durchschnitt lag die Dauer der Arbeitslosigkeit in Hessen bei 484 Tagen.

Im Bereich der Grundsicherung für Arbeitslose ist jeder achte seit mindestens vier Jahren Arbeitslos

Von den insgesamt knapp 103.000 Arbeitslosen im SGB II war etwa jeder Achte seit mindestens vier Jahren arbeitslos. Die jahresdurchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit lag 2018 in Hessen in diesem Rechtskreis bei 655 Tagen.

Ab einer Dauer von 12 Monaten Arbeitslosigkeit gelten Personen nach der Definition der BA als langzeitarbeitslos. Obwohl die Zahl der Langzeitarbeitslosen insgesamt rückläufig ist, ist nach wie vor knapp jeder zweite Arbeitslose im SGB II langzeitarbeitslos.

Nach Teilnahme an einer Maßnahme werden Leistungsbezieher wieder als Kurzzeitarbeitslose gezählt, auch dann wenn sie noch keine Arbeit gefunden haben

Als arbeitslos im Sinne der Statistik gilt nur, wer den Vermittlungsbemühungen der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung steht. Das wirkt sich auch auf die Berechnung der Arbeitslosigkeitsdauer aus: So beginnt nach einer sogenannten „schädlichen Unterbrechung“ der Arbeitslosigkeit die Berechnung der Dauer von neuem.

Wenn beispielsweise Langzeitarbeitslose an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme wie einem Ein-Euro-Job oder einer Weiterbildung von mehr als sechs Wochen teilnehmen, werden sie danach wieder als Kurzzeitarbeitslose gezählt, obwohl sie in der Zwischenzeit weder Arbeit gefunden noch den Leistungsbezug beendet haben. Die offizielle durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit unterliegt in ihrer statistischen Erfassung daher Verzerrungen, die auf die arbeitsmarktpolitisch motivierte Definition von Langzeitarbeitslosigkeit zurückzuführen ist.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 12/2018.

Monatliche Übersicht über beschäftigungspolitische Maßnahmen in Hessen

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.

Foto: (c) Wrangler / Fotolia.de

 

Arbeitsmarkt-Report Hessen 11/2018: Aufstocker im SGB II

Erwerbstätigkeit im SGB II:
Die Hälfte der Aufstocker ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt

Ein großer Teil der Leistungsempfänger im SGB II (ugs.: „Hartz-IV“-System) hat eine Arbeitsstelle, wie aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht. In Hessen gingen im April 2018 knapp 79.000 Erwerbsfähige im SGB II, also mehr als ein Viertel der insgesamt rund 298.000 Leistungsempfänger, einer Erwerbstätigkeit nach.

Mit 18,1 Prozent ging fast ein Fünftel der Aufstocker einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung nach. Hierzu zählten auch rund 4.000 Auszubildende in Vollzeit, die 5,5 Prozent an allen Aufstockern ausmachten.

In Bezug auf die rund 298.000 erwerbsfähigen Leistungsbezieher im SGB II reichte demnach für 3,3 Prozent von ihnen das Einkommen aus einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung (ohne Auszubildende) nicht zur Existenzsicherung aus. Absolut betrachtet muss jedoch konstatiert werden, dass trotz der guten Arbeitsmarktentwicklung und trotz des gesetzlichen Mindestlohns für knapp 10.000 Vollzeitbeschäftigte, die sich nicht in Ausbildung befinden, das Einkommen nicht zum Leben ausreicht.

Nicht alle anspruchsberechtigten Personen lösen ihren Anspruch auf Leistungen nach dem SGB II ein. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nennt Studien, laut denen zwischen 34 und 50 Prozent der Menschen, die eigentlich ALG II beziehen könnten, auf ihren Anspruch verzichten. Unter den Erwerbstätigen sind es Schätzungen zufolge sogar bis zu zwei Drittel der Anspruchsberechtigten.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 11/2018.

Monatliche Übersicht über beschäftigungspolitische Maßnahmen in Hessen

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.

Foto: (c) Wrangler / Fotolia.de