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Arbeitsmarkt im Fokus: Corona und Frauen in Minijobs

Corona und Frauen in Minijobs – vulnerabel wie alle und doch besonders betroffen

Dies ist der Titel der ersten Ausgabe unserer neuen Berichts-Reihe „Arbeitsmarkt im Fokus“, die die LAG Arbeit in Hessen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt Univerisity of Applied Science veröffentlicht. Die neue Reihe wird über aktuelle Entwicklungen am Arbeitsmarkt berichten und hierbei besonders die Teilhabechancen und Arbeitsmarkt-Perspektiven von Sozialbenachteiligten in den Blick nehmen. 

Minijobs wurden mit ihrer Einführung nicht selten euphemistisch als „Sprungbrett“ in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bezeichnet, als Möglichkeit, in den ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden – vor allem für Frauen. Diesen empirisch wenig belegten „Mythos“ (verdi 2017) von systematischen `Klebeeffekten‘ (vgl. u.a. Böhmer, Peichl 2020) unter den Bedingungen der Pandemie kritisch zu beleuchten, ist Gegenstand der ersten Ausgabe der neuen Berichtsreihe „Arbeitsmarkt im Fokus“ der LAG Arbeit in Hessen sein. „Corona“, so aktuelle Befunde, zeigt sich als eine Situation, die Ungleichheitsstrukturen verstärkt, in der sich Prekarität für ausgewählte gesellschaftliche Gruppen in besonderer Weise manifestiert. Die im Mittelpunkt des Berichts stehenden Studien, in denen Aspekte des oben genannten Themas mit beleuchtet werden, liefern ein aussagekräftiges Bild davon, wie sich im Zuge der Pandemie strukturelle Ausschlüsse für Frauen in geringfügiger Beschäftigung verfestigen.

Coronakrise und Minijobs: Binnen drei Monaten verloren 500.000 Menschen ihre Arbeit

Knapp sechzig Prozent der im Juni 2020 deutschlandweit etwa 5,9 Millionen Minijobber*innen waren Frauen (3,5 Millionen). Im Juni 2020 – also inmitten der Corona Pandemie – ist laut Minijobzentrale im Vergleich zum Vorquartal deutschlandweit dabei ein Rückgang von insgesamt 7,5 Prozent (vorher 6,4 Millionen insgesamt) der Minijobber*innen zu verzeichnen. 500.000 Menschen verloren demnach binnen drei Monaten ihre Arbeit.


Hans Böckler Stiftung (2020) Verteilung – Corona verstärkt die Ungleichheit, in: Böckler-Impuls, Ausgabe 19

Dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) zufolge zeichnet sich dadurch ein Trend zu verschärfter sozialer Ungleichheit ab, der zweierlei aufzeigt: „Der Abstand zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland wird durch die Corona-Pandemie weiter wachsen. Menschen mit schon vorher niedrigen Einkommen sind im bisherigen Verlauf der Krise fast doppelt so häufig von Einbußen betroffen wie Menschen mit hohen Einkommen. Damit verschärft sich ein Trend, der schon die wirtschaftlich starken 2010er-Jahre gekennzeichnet hat. […] Je niedriger ihr Einkommen schon vor der Krise war, desto häufiger haben Befragte im Zuge der Pandemie an Einkommen eingebüßt. Zudem steigt mit abnehmendem Einkommen auch der relative Verlust. Wer weniger hatte, hat auch viel verloren“ (Hans Böckler Stiftung 2020: 4f; vgl. auch Kohlrausch 2020).

Den ausführlichen Bericht Arbeitsmarkt im Fokus 01/2021 finden Sie hier. 

Arbeitsmarkt im Fokus

Dies ist die erste Ausgabe einer neuen Berichts-Reihe, die von der LAG Arbeit in Hessen e.V.  in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung (ISR) des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Frankfurt University of Applied Sciences veröffentlicht wird.

Autor*innen des Berichtes Arbeitsmarkt im Fokus 01/2021:

Nele Keth – Projektmitarbeiterin im ISR
Freya Köster – Projektmitarbeiterin im ISR
Christian Kolbe – geschäftsführender Direktor des ISR

Langzeitarbeitslose in Hessen: Nicht mal zwei Prozent fanden 2019 eine Arbeit

Arbeitsmarkt-Report Hessen 01/2020

In Hessen gab es laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Jahresdurchschnitt 2019 rund 47.000 Langzeitarbeitslose. Langzeitarbeitslos ist, wer ohne Unterbrechung seit mindestens zwölf Monaten arbeitslos gemeldet ist. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Bundesland um rund 6.000 beziehungsweise 11,6 Prozent abgenommen. Das liegt allerdings nicht an verbesserten Arbeitsmarktchancen für Langzeitarbeitslose.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Langzeitarbeitslosigkeit – Deutschland, Länder, Regionaldirektionen, Agenturen für Arbeit, Kreise und Jobcenter (Monats-/Jahreszahlen), Dezember 2019, Tabelle 8., Graphik erstellt durch ISAM

In Summe gab es 2019 knapp 10.000 Abgänge von Langzeitarbeitslosen in Erwerbstätigkeit. Verteilt auf die zwölf Monate bedeutet das, dass durchschnittlich jeden Monat rund 800 Langzeitarbeitslose in Erwerbstätigkeit übergingen.

In Bezug auf die Zahl der gemeldeten Langzeitarbeitslosen ergibt sich nach Angaben der BA für das Jahr 2019 (wie auch im Vorjahr) somit eine monatliche Abgangsrate von 1,7 Prozent.

Das heißt, dass jeden Monat weniger als zwei von Hundert Langzeitarbeitslosen in Erwerbstätigkeit übergingen.

Zu den Abgängen in Erwerbstätigkeit zählen geförderte und ungeförderte Beschäftigungsverhältnisse von mehr als 15 Wochenstunden sowie Wehr-, Freiwilligen und Zivildienst. Ausbildungsverhältnisse werden hingegen nicht zu den Abgängen in Erwerbstätigkeit gezählt.

Insgesamt wurden in der BA-Statistik für Hessen im Jahr 2019 knapp 74.000 Beendigungen von Langzeitarbeitslosigkeit erfasst. Eine langzeitarbeitslose Person kann dabei im Jahresverlauf mehrfach gezählt werden. Die Aufnahmen einer Erwerbstätigkeit stellen anteilig mit 13,3 Prozent also nur eine Minderheit aller Abgänge dar.

In den meisten Fällen beendeten Langzeitarbeitslose ihre Arbeitslosigkeit nicht aufgrund der Integration in Arbeit, sondern durch eine andere sogenannte „schädliche Unterbrechung“: Nahezu die Hälfte der Abgänge aus Arbeitslosigkeit entfiel auf Nichterwerbstätigkeit, beispielsweise aufgrund von Krankheit oder Sonderregelungen für Ältere. Ein weiteres Viertel der Abgänge kam aufgrund der Teilnahme an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme oder einer Ausbildung zustande.

Auf diesem Wege verschwindet der Großteil der (vormals) Langzeitarbeitslosen aus der Statistik, ohne eine Arbeit aufgenommen zu haben.

Hier erhalten Sie den Arbeitsmarkt-Report Hessen 01/2020 als PDF-Dokument.

Zusätzlich zu dem Schwerpunktthema Langzeitarbeitslosigkeit enthält der Report, wie jeden Monat, Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II.

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.

Arbeitsmarkt-Report Hessen 11/2019: Ausschöpfung der Eingliederungsmittel der Jobcenter erreicht neuen Tiefstand

Arbeitsmarkt-Report Hessen 11/2019

Der Bund weist den Jobcentern jährlich ein Budget zu, das zur Finanzierung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen wie zum Beispiel Qualifizierungsmaßnahmen oder öffentlich geförderter Beschäftigung verwendet werden soll. Grundlage für die Zuweisungen der sogenannten Eingliederungsmittel ist ein Finanzierungsschlüssel, in dem unter anderem die Zahl der vom jeweiligen Jobcenter betreuten Personen berücksichtigt wird.

Quelle: Arbeitsmarkt-Report Hessen 11/2019, ISAM, Daten der Bundesagentur für Arbeit zur Eingliederungsbilanz nach § 54 SGB II, September 2019

Das Budget der Jobcenter in Hessen wurde 2018 auf 260 Millionen Euro erhöht und ist damit zum fünften Mal in Folge angestiegen. Insgesamt gaben die Jobcenter in Hessen aber nur knapp 184 Millionen Euro für Arbeitsförderung aus.

Damit wurden knapp 77 Millionen Euro nicht für den eigentlichen Zweck, der Förderung von Leistungsempfängern der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II bzw. „Hartz IV“) verwendet.

Die Jobcenter in Hessen schöpften also lediglich 71 Prozent des verfügbaren Budgets aus. Über ein Viertel der Eingliederungsmittel wurden nicht für den ursprünglich vorhergesehenen Zweck verwendet. Die Ausschöpfungsquote erreichte damit einen neuen historischen Tiefstand.

Grundsätzlich mangelt es nicht an ausreichend Förderkandidaten. Allerdings nahmen 2018 in Hessen gerade einmal 8,6 Prozent der rund 292.000 Leistungsempfänger des SGB II im erwerbsfähigen Alter an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teil.

Die Ausschöpfung der Eingliederungsmittel variiert erheblich zwischen den 26 Jobcentern in Hessen.

Die höchsten Ausschöpfungsquoten erreichten im Jahr 2018 die Jobcenter Bergstraße (94 Prozent), Main-Kinzig-Kreis (87 Prozent) und Werra-Meißner-Kreis (86 Prozent). Ihnen gegenüber standen die Jobcenter Hersfeld-Rotenburg und Vogelsbergkreis (je rund 53 Prozent) und Offenbach (43 Prozent) mit den geringsten Ausschöpfungsquoten.

Ausführliche Information zur Ausschöpfung der Eingliederungsmittel in den hessischen Jobcentern erhalten Sie im Arbeitsmarkt-Report 11/2019

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Arbeitsmarkt-Report 07/2019: Qualifikationsniveau von Arbeitslosen in Hessen

Ungelernte haben schlechte Chancen auf dem hessischen Arbeitsmarkt – Hohe Nachfrage nach Fachkräften

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen 07/2019 betrachtet das Qualifikationsniveau von Arbeitslosen im Hessen im Vergleich zu den offenen Stellen.

Knapp 291.000 Arbeitsuchende zählte das Land Hessen pro Monat zwischen Juli 2018 und Juni 2019. Etwa die Hälfte war auch offiziell arbeitslos und stand somit dem Arbeitsmarkt auch formal vollumfänglich zur Verfügung.

Rund 68.000 beziehungsweise etwa 45 Prozent der Arbeitslosen suchten nach einer Beschäftigung auf Helferniveau.

Die Aussichten auf dem hessischen Arbeitsmarkt sind für Helfer allerdings schlecht: Weniger als jede fünfte der insgesamt knapp 56.000 in diesem Zeitraum bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Stellen war eine Beschäftigung auf Helferniveau. Auf jede ausgeschriebene Stelle im Helferbereich in Hessen kamen also rechnerisch fast sieben Arbeitslose.

Arbeitsmarkt nach Berufen
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt nach Berufen (KldB 2010) – Deutschland, West/Ost und Länder (Monatszahlen), Juli 2018 – Juni 2019, Tabelle 1.9

Die meisten offenen Stellen gab es laut der BA-Statistik hingegen auf Fachkräfteniveau. Zwischen Juli 2018 und Juni 2019 waren in Hessen monatlich nahezu 36.000 Stellen bei der BA gemeldet. 64 Prozent beziehungsweise zwei von drei Stellenangeboten im Land Hessen waren demnach an Fachkräfte adressiert.

Demgegenüber stehen aber relativ wenige Arbeitslose mit einer geeigneten Qualifikation. Nur rund 52.000 also ein Drittel der Arbeitslosen war im selben Zeitraum auf der Suche nach einer Beschäftigung als Fachkraft. Das Verhältnis von Arbeitslosen zu gemeldeten Stellen lag demnach bei 1,5 zu 1.

Das Anforderungsniveau wird unabhängig von der Branche der gemeldeten Stellen festgelegt und bezieht sich auf das Profil von spezifischen Arbeitsstellen bzw. Arbeitslosen. Helfertätigkeiten können meistens ohne Vorkenntnisse ausgeübt werden, sodass Bewerber sich auf Helferstellen in verschiedenen Branchen bewerben können.

Ein höheres Anforderungsniveau geht hingegen mit komplexeren Tätigkeiten einher, die vorausgehende qualifikatorische Spezialisierungen wie zum Beispiel eine Ausbildung oder ein Studium der Bewerber voraussetzen. Selbst wenn es also mehr arbeitslose Fachkräfte als gemeldete Stellen auf Fachkraftniveau gibt, kann es also einen regionalen oder branchenspezifischen Mangel an geeigneten Bewerbern geben.

Ausführliche Informationen zum Anforderungsniveau der offenen Stellen in Hessen erhalten Sie im Arbeitsmarkt-Report Hessen 07/2019

Darüber hinaus enthält der Report jeden Monat Übersichten über den Bestand an TeilnehmerInnen in ausgewählten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in den hessischen Kommunen, getrennt nach der Kostenträgerschaft im SGB III und SGB II

Der Arbeitsmarkt-Report Hessen wird vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz für die LAG Arbeit in Hessen e.V. erstellt.

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