Aktivierungsquoten in Hessen auf niedrigem Niveau

Unser Arbeitmarktreport 2/2015 legt das besondere Augenmerk auf die Entwicklung der Aktivierungsquoten von 2012 bis 2014: so erhält nur ein Fünftel der förderfähigen Personen im SGB III eine arbeitsmarktpolitische Förderung, im SGB II nicht mal 9 Prozent. Wer will, kann sich die aktuelle Förderquote im SGB III und im SGB II in seiner Gebietskörperschaft anhand der Daten in dem Report selbst ausrechnen, im SGB III allerdings bezogen auf die Anzahl der Arbeitslosen.

Förderung der Leiharbeitsbranche durch die Bundesagentur für Arbeit

Nachdem die BA bereits 2013 „Fehlentwicklungen“ bei der Zusammenarbeit der BA mit Zeitarbeitsfirmen einräumen musste, haben Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag eine Kleine Anfrage gestartet. Die Antwort liegt nun vor und enthüllt, dass aus den von der BA versprochenen Korrekturen nichts geworden ist.

Immer noch entfallen bei der BA und den Jobcentern 30,7 Prozent ihrer Vermittlungen auf die Zeitarbeitsbranche. Nicht mal ein Drittel deraus dem SGB II Vermittelten ist auch noch nach 12 Monaten in der Zeitarbeit beschäftigt (was aber auch bedeuten kann, dass der Arbeitslose in diesem Zeitraum mehrfach in Zeitarbeit vermittelt wurde).

Betrachtet man die Abgänge aus Arbeitslosigkeit insgesamt, beträgt der Anteil der Arbeitsaufnahme in der Zeitarbeit im selben Zeitraum (12/2013 – 11/2014) nur 17,2 Prozent. Im Juni 2014 weist die Zeitarbeitsbranche einen Anteil von 2,6 Prozent am Bestand der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze aus.

Die Bundesregierung beantwortet auch Fragen zur Differenz zwischen den durchschnittlichen Löhnen und der Entlohnung in der Zeitarbeitsbranche, zur Verausgaben von Grundsicherungsleistungen für in der Zeitarbeit tätige alleinstehende Aufstocker. Bei manchen Tabellen muss man aber höllisch aufpassen, weil damit gar nicht die konkrete Frage beantwortet wird. So wird bei der Frage, wie sich die Vermittlungen auf SGB II und III und nach den Regionaldirektionen verteilen, als Bezugsgröße die Abgänge in Arbeitslosigkeit in Zeitarbeit insgesamt genommen und damit  errechnet, wie viel Prozent der Arbeitsaufnahmen in der Zeitarbeit durch die Vermittlung der BA und Jobcenter erfolgen, und nicht, wie viel Prozent der Vermittlungen der BA/JC auf die Zeitarbeit entfallen. Allerdings zeigen diese Zahlen auch, dass die BA/JC ein Viertel der Personalbeschaffung für die Zeitarbeit liefern und somit ein wichtiger Dienstleister sind.

Schon 2013 hatte der Bundesrechungshof die Vermittlungspraxis der BA kritisiert und dafür das Zielsteuerungssystem der BA verantwortlich gemacht. Wie räumte BA-Chef Weise in der Süddeutschen angesichts der faulen Erfolge damals ein: „Wir haben manchmal zu oft zehn Menschen in Zeitarbeit vermittelt als zwei in einen Handwerksbetrieb, deshalb ändern wir das gerade.“ (zitiert nach SPIEGEL 26/2013).

Nach den Fortschritten gefragt, antwortet die Bundesregierung, dass die BA ihr ZIelsteuerungssystem neu ausgerichtet habe, die Nachhaltigkeit der Integrationen höher bewerte und Anreize setze, um die Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Unernehmen zu intensivieren, und eine Neuausrichtung ihres Arbeitgeberservices in die Wege geleitet habe. Außerdem habe die BA zur Bewertung dieser Maßnahmen ein Forschungsprojekt aufgenommen, das das „Vermittlerhandeln im weiterentwickelten Zielsystem der BA“ über die Jahre 2014 bis 2018 untersuche und auswerte.

Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen!

Die Bundestagsdrucksache finden Sie hier

Neuer Mindestlohn in der Weiterbildung – Erhöhung auf niedrigem Niveau

Am 27.01.2015 haben sich GEW und ver.di mit der Zweckgemeinschaft des Bildungsverbandes über einen Mindestlohn für die pädagogischen Beschäftigten in Weiterbildungsunternehmen geeinigt. Das Mindeststundenentgelt in Westdeutschland steigt demnach ab 01.01.2016 auf 14 Euro, das Monatsentgelt für eine 39-Stunden-Woche auf 2.374,01 Euro. Wohlgemerkt: es geht um Entgelte für Menschen mit einem Fachhochschul- oder Hochschulabschluss!

Zum Vergleich: die entsprechende Entgeltgruppe 9 in TV Öffentlicher Dienst beginnt zur Zeit für Berufsanfänger mit 2.587 Euro und liegt nach dreijähriger Beschäftigung bei 3.000 Euro.

Und wenn man über den Tellerrand in andere Branchen schaut, tut sich das Ausmaß der skandalösen Unterbezahlung auf: so lassen sich der Entgeltstatistik für 2013 der  Bundesagentur für Arbeit  die   mittleren Bruttolöhne vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer entnehmen:

Der mittlere Lohn von Vollzeitbeschäftigten lag 2013 (in Euro, Medianwerte)

In Westdeutschland bei    3.094
In Frankfurt/Main bei        3.884
Bei Akademikern bei          4.836
Ohne Berufsabschluss      2.451

Trotz prozentual hoher Steigerung erreicht der Mindestlohn in der Weiterbildung 2016 immer noch nicht das Lohnniveau, das Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss 2013 schon hatten.

Zum Nachlesen:
GEW-Tarif-Info vom 28.01.2015
BA-Studie:  https://statistik.arbeitsagentur.de/nn_300648/SiteGlobals/Forms/Rubrikensuche/Rubrikensuche_Form.html?view=processForm&resourceId=210368&input_=&pageLocale=de&topicId=300640&year_month=201312&year_month.GROUP=1&search=Suchen
Artikel in der FAZ vom 23.07.2014